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Walter Kuschke

 
Mein Onkel Walter Kuschke
(1898 – 1973)

In unserer Familie wurde zwar darüber geredet, dass "Onkel Walter", der Bruder meines Vaters, schwul gewesen und deswegen auch im KZ war, aber Einzelheiten gab es keine. Nach den jetzigen Recherchen war er mindestens seit Januar 1935 bis zum November 1935 im KZ Lichtenburg inhaftiert. Offizielle Anklage wurde im März erhoben, am 21. November fand der Prozess statt, in dem er wegen § 175 zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Die bisherige Haftzeit wurde ihm angerechnet, so dass er das Gericht als freier Mann verlassen konnte. Er hat nie über seine Erfahrungen im KZ gesprochen.

Mein Onkel war damals als Finanzbeamter tätig. Durch die Verurteilung verlor er den Posten und den Beamtenstatus und musste sich als Verkäufer von Drogerieartikeln durchschlagen. Dann kam der Krieg, er wurde eingezogen, kam in die Wehrmachtsverwaltung und überlebte. Was er von den Nazis hielt, geht aus einem Brief hervor, den er seinem Bruder im Jahre 1946 schrieb: "Und nun werden diese Großschnauzen endlich gehängt, ein viel zu mildes Urteil im allgemeinen."

In den fünfziger Jahren begann er im Bezirksamt Steglitz eine Verwaltungslaufbahn, wo er es zum Stadtoberinspektor brachte. Er reiste gerne, ging ins Theater, malte sogar und hatte vermutlich bis zu seinem Tod 1973 einen Freund, über den aber die Familie bis heute nichts weiß, da offiziell nicht 'darüber' gesprochen wurde.

Regine Kuschke

 

nach dem Krieg in Berlin

     Walter Kuschke nach dem Krieg

50er Jahre im Tiergarten

     50er Jahre, Berlin-Tiergarten

Briefauszug

aus einem Brief 1946

 
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